Wissenswertes

 

 

31.08.2012

Die Magie der Katze

 

Erst verehrte, dann böse verteufelt, heute verwöhnt:
Die Katze!
Stationen einer leidenschaftlichen und uralten Beziehung

 

 

Seit Jahrhunderten, so sagt man, begleiten Katzen den Menschen durch die Welt. Wer sein Leben mit einem so stolzen Geschöpf teilt, wird diesen Satz anders formulieren: Seit Jahrtausenden begleitet der Mensch die Katze durch die Welt. Sie schnurrt und faucht und macht, was sie will. Mal wird gekuschelt, mal fährt sie ihre Krallen aus. Wir und die Samtpfoten, das ist eine geheimnisvolle Beziehung.

 

Schleichwege direkt ins Herz

Forscher der Uni Oxford machten sich deshalb auf die Suche nach der Urmutter aller Hauskatzen. Sie verglichen deren Erbgut mit dem wilder Verwandter. Die Spur führte in den nahen Osten. Felis silvertris lybica nennen Biologen die Art, die noch heute in Ländern der Arabischen Halbinsel lebt. Ihr Fell ist sandfarben, der Körper schlank, der Schwanz geringelt mit dunkler Spitze.
Wann sich die Katze uns erstmals anschloss, liegt im Dunkeln. "Das früheste Zeugnis ist 9500 Jahre alt und stammt von der Mittelmeerinsel Zypern", sagt Experte Detlef Bluhm ("Das große Katzenlexikon", Insel).
In einem Grab fanden Archäologen gemeinsam bestattete Überreste von Mensch und Katze. Der Fund passt zur Geschichtsschreibung. Vor 10000 Jahren entwickelte sich im Nahen Osten Landwirtschaft. Der Mensch wurde sesshaft, lagerte Getreide. Kornspeicher zogen Mäuse an und wer liebt Mäuse? Katzen. Etwas Egoismus war wohl dabei, als die eigensinnigen Raubtiere die Nähe unserer Ansiedlungen suchten.
Die Ägyptische Mau (Beschreibung auf der nächsten Seite), auf die man noch heute in den Straßen Kairos trifft, könnte direkt einer alten Wandmalerei entsprungen sein. Statuen, Inschriften in Pyramiden und einbalsamierten Katzenmumien zeugen von ihrer Rolle im Pharaonenreich. Die Hüter der Kornkammern wurden geradezu vergöttert. Bastet heißt die Katzengöttin jener Zeit. Symbol für Fruchtbarkeit, Anmut, Liebe. Die Ägypter versuchten sie zu zähmen. Das beweisen 4500 Jahre alte Bilder von Falbkatzen mit Halsband und Töpfchen für Milch als Grabbeigaben.
Aus Handelwegen gelangten die göttlichen Gefährtinnen nach Europa, viele wurden von phönizischen Kaufleuten geschmuggelt - in Ägypteen galt lange ein Ausfuhrverbot für Katzen. In Nordeuropa spielt aber auch das dunkelste Kapitel ihrer Historie: Die Kirche machte sie zum heidnischen Tier! Hinterhältig, unberechenbar, unzähmbar - das konnten nur Dämonen sein. Katzen zeigen keine Demut, ziehen nachts los, haben leuchtende Augen. Papst Innozenz VIII, erklärte sie in der Hexenbulle von 1484 zu "Geschöpfen und Gestalten des Satans".

 

Besuch aus der Hölle

Die Folgen von Fanatismus und Aberglauben waren grausam. Katzen wurden gejagt, auf Scheiterhaufen verbrannt, mussten als Sündenböcke herhalten für Krankheiten und Katastrophen. Man hielt sie für Überbringer der Pest. "Nur in Klöstern blieben sie willkommen", sagte Bluhm. "Sie schützten Vorräte und Bücher vor Nagern."
Zum Glück ließ das Zeitalter der Aufklärung so manchen Aberglauben verblassen. An Europas Höfen erwachte das Interesse. Vor allem langhaarige Schönheiten wie die Angora eroberten Schlösser von Paris bis London. Frankreichs König Ludwig XV. verschenkte Samptpfoten sogar als Zeichen seiner Gunst. Im 19. Jahrhundert rückten Forscher wie Alfred Brehm das falsche Bild der "teuflischen" Katze dann endgültig zurecht. Auch immer mehr Dichter, Denker und Maler verfielen ihr, machten sie in Werken unsterblich. So dichtete Charles Baudelaire (1821 - 1867): "Komm an mein liebreiches Herz, schöne Katze. Verbirg die Klauen der Tatze, wenn mein Auge naht."

 

Quelle: FU09/2012 - Kai Riedemann